Dr. holger Löhrer
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Gleichgewichtsstörungen

I. Informationen zum Krankheitsbild

Wichtig ist die Unterscheidung der sog. Reisekrankheiten (Kinetosen) vom wirklich krankhaften Schwindel. Kinetosen entstehen durch übermäßige Bewegungs- oder Beschleunigungseffekte und wechselnde Schwerefelder, wie zB bei der See-, Luft- oder Raumkrankheit.

Patienten die an einer Gleichgewichtsfunktionsstörung leiden, klagen subjektiv über 3 Hauptsymptome, die kombiniert oder auch einzeln auftreten können: 1. Schwindelgefühl( Vertigo), oft als Dreh- oder Schwankschwindel bezeichnet, wobei das Schwindelgefühl häufig in Verbindung mit  Kopf- oder Körperbewegungen auftritt. 2. Übelkeit bis Erbrechen als Ausdruck vegetativer Begleitreaktionen. 3. Taumeligkeit oder Gangabweichung als Ausdruck sensomotorischer Reaktionen.

Die Ursachen für Schwindel sind vielfältig und nur teilweise im HNO Bereich lokalisiert, d.h. Schwindelsymptome müssen fast immer auch in Kooperation mit anderen Fachrichtungen (z.B. Neurologie, Innere Medizin, Orthopädie) abgeklärt werden.

II. Ursachen

Häufigste Ursachen im HNO- Bereich

  • Morbus Meniere (Elektrolytstörung des Gleichgewichtsorgans mit sog. endolymphatischem Hydrops, meist mit  der Symptomkombination: anfallsartiger Drehschwindel, Übelkeit/Erbrechen und Hörminderung im Schwindelanfall)
  • Neurpathia vestibularis (einsetzender Dauerschwindel, wahrscheinlich aufgrund einer Entzündung des Gleichgewichtsorganes und des Gleichgewichtsnerven)
  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (heftiger Sekundenschwindel, durch Kopf- oder Körperbewegung in eine bestimmte Richtung ausgelöst, hervorgerufen durch abgesprengte Kalzikristalle in einem Teil des Labyrinthes, die die Gleichgewichtsrezeptoren reizen)

III. Diagnostik in meiner Praxis

Gleichgewichtsuntersuchung:

Zur Vestibularisdiagnostik (Gleichgewichtsdiagnostik) gehören eine ausführliche Schwindelanamnese, Suche nach einem Spontan- oder Blickrichtungsnystagmus mit der sog. Frenzelbrille und der Elektronystagmographie (ENG, siehe unten), Untersuchung der Blickmotorik und die Lage/ Lagerungsprüfung

 

Audiologische Untersuchungen:

Da Gleichgewichtsstörungen oft mit Hörstörungen verbunden sind, gehört eine umfassende Hördiagnostik zur Grunduntersuchung von Schwindel. Je nach Fragestellung oder vermuteter Ursache werden eine Impedanzmessung, otoakustische Emissionen, ein Tonschwellenaudiogramm (ggf. mit Tinnitusbestimmung) oder eine Hirnstammaudiometrie (BERA) durchgeführt. Siehe auch Hördiagnostik beim Erwachsenen

 

Elektronystagmographie (ENG):

Messplatz Elektronystagmographie Durch Oberfächenelektroden auf der Haut über, neben und unter den Augen, lassen sich die reflektorischen  Augenbewegungen (Nystagmus)  fortlaufend ableiten und nach elektronischer Verstärkung registrieren. Die Elektronystagmographie wird in Kombination mit einer sog. thermischen Reizung des Gleichgewichtsorganes durchgeführt. Hierbei wird abwechselnd kalte und warme Luft in den äußeren  Gehörgang eingebracht und somit das Gleichgewichtsorgan „gereizt“. Dieses Verfahren wird für die Topodiagnostik vestibulärer Gleichgewichtsfunktionsstörungen genutzt.