Dr. holger Löhrer
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Hörstörungen - Erwachsenenalter

I. Informationen zum Krankheitsbild

Hörstörungen sind bei Erwachsenen sehr verbreitet. Je  nach individuellem Leidensdruck werden sie als mehr oder weniger belastend empfunden. Da für alle Hörstörungen ein ernstzunehmendes Krankheitsbild ursächlich sein kann, sollte dies unbedingt durch eine fachärztliche Untersuchung abgeklärt werden.

II. Ursachen

Schallleitungshörstörungen:
(den Gehörgang oder das Mittelohr betreffend, siehe "Tonaudiogrammausdruck Schallleitungshörstörung")

  • Zerumen oder Fremdkörper im Gehörgang
  • Gehörgangsexostosen (gutartige Knochenneubildungen)
  • Stenosen (Verengungen durch OP oder Entzündung)
  • Otitis externa ( Entzündung des Gehörganges, sog. Badeotitis)
  • Tumore
  • Trommelfellperforationen (nach Reinigung, Ohrfeige, Explosionstrauma, Fremdkörper, chronischer oder akuter Mittelohrentzündung)
  • Paukenerguss (Flüssigkeit im Mittelohr, z.B. durch Tubenventilationsstörung, Mittelohrentzündung, siehe "Mittelohrerguss, Ohrmikroskopie")
  • Cholesteatom (chronisch eitrige Mittelohrentzündung)
  • Otosklerose (entzündungsähnliche Verknöcherung des Steigbügels am Übergang zum Innenohr)
  • Akute Otitis media (akute Mittelohrentzündung, z.B.  bei Infekten der oberen Luftwege oder Nasennebenhöhlenentzündungen.
  • Chronische Otitis media (chronische Mittelohrentzündung, z.B. durch dauerhafte Behinderung der Nasenatmung bei Verkrümmung der Nasenscheidewand oder vergrößerten Nasenschwellkörpern, bei dauerhaften Nasennebenhöhlenentzündungen)

Sensorineurale Hörstörungen:
(das Innenohr oder den Hörnerven betreffend)

  • Altersbedingte langsam zunehmende Innenohrhörminderung
  • Lärmbedingte Schwerhörigkeit
  • Zoster Oticus (Reaktivierung eines Varizellen- Zoster Virus)
  • Labyrinthitis (Infektion des Innenohres z.B. durch eine unbehandelte Mittelohrentzündung)
  • Hirntraumata (z.B. Felsenbeinfraktur durch einen Unfall)
  • Explosionstrauma
  • Akuter Hörsturz
  • Morbus Meniere (Erkrankung des Hör- und Gleichgewichtsorganes)

 

 

III. Diagnostik und Therapie in meiner Paxis

Hörtest bei Erwachsenen, Hörgeräteversorgung:

Die Diagnostik beinhaltet verschiedene, dem Beschwerdebild entsprechende Hörtestverfahren.

1. Subjektive Verfahren

  • Tonschwellenaudiometrie, ggf mit Tinnitusbestimmung
  • Sprachaudiometrie (Freiburger Sprachtest)
  • Überprüfung der Sprachverständlichkeit im freien Schallfeld (z.B. zur Beurteilung einer Hörgeräteversorgung)

2. Objektive Verfahren

  • Impendanzmessung
  • Otoakustische Emissionen
  • Hirnstammaudiometrie (BERA)

Hörsturzdiagnostik

Als Hörsturz bezeichnet man eine plötzlich (akut) auftretende Hörstörung die meist einseitig, selten auf beiden Ohren gleichzeitig zu beobachten ist. Oft wird vom Patienten keine sichere Hörminderung, sondern eher ein Druckgefühl im Ohr angegeben. Die  Ursachen sind vielfältig und reichen von Ohrschmalz, Mittelohrbelüftungsstörungen bis hin zu Innenohrabfällen. Die Diagnostik umfasst zunächst alle oben genannten Erwachsenenhörtests. Bei einer akuten Innenohrbeteiligung steht  zuerst die Therapie im Vordergrund, eine sog. rheologische Infusionstherapie, die ambulant in der Praxis durchgeführt wird. Nach der Infusionstherapie sind weitere neurootologische und audiologische Untersuchungen erforderlich (Hirnstammaudiometrie, Elektronystagmographie), die ebenfalls in der Praxis durchgeführt werden. Sollten hierbei Auffälligkeiten, z.B. eine verlängerte Nervenlaufzeit bei der BERA,  festgestellt werden, wird von mir grundsätzlich eine Kernspintomographie (Abb. 25) des Kopfes bei den Kollegen/innen der Radiologie veranlasst, womit Veränderungen im Kleinhirnbrückewinkel und Hörnervenverlauf, z.B. ein sog. Akustikus - bzw. Vestibularisschwannom (ein gutartiger Tumor des Gleichgewichts- oder Hörnerven), ausgeschlossen werden können.