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Tinnitus

Informationen zum Krankheitsbild

Ohrgeräusche (Tinnitus) sind  Geräusche oder Töne, die vom Betroffenen wahrgenommen werden, ohne eine Schallquelle oder  akustische Stimulation von außen. Es wird vermutet, dass diese Geräusche im Ohr selbst oder im weiteren Verlauf der Hörbahn oder des zentralen Nervensystems generiert werden. Genau genommen handelt es sich beim Tinnitus also nicht um eine eigenständige Diagnose oder eine Krankheit sondern um ein Symptom, d. h. um ein Anzeichen für eine Krankheit.

Tinnitus ist in der Bevölkerung weit verbreitet und tritt in jedem Lebensalter auf, wobei ca. 5 - 7 % der Erwachsenen an einem mehr oder weniger ausgeprägten Ohrgeräusch leiden. Sehr unterschiedliche Ursachen und Erkrankungen können den Tinnitus auslösen. Oft handelt es sich um Erkrankungen des Ohres oder Störungen und Veränderungen im Bereich der Hörbahn und des Hörvorganges.

Man geht davon aus,     dass im Bereich der Hörbahn ein gewisses Grundrauschen existiert, d. h. eine ständige Geräuschkulisse, die durch schwache elektrischer Stromflüsse zustande kommt, die neben verschiedenen chemischen Prozessen tatsächlich für die Hörwahrnehmung notwendig und verantwortlich sind. Dieses Grundrauschen wird jedoch im Alltag unterdrückt und vom normal Hörenden  nicht wahrgenommen. Bei Störungen oder Veränderungen dieser Hörwahrnehmung können die zur Unterdrückung des Grundrauschens notwendigen hemmenden Prozesse der Hörbahn gestört sein, sodass ein Ohrgeräusch wahrgenommen wird.

Die Geräuschwahrnehmung ist  individuell sehr verschieden, häufig treten die Geräusche in Ruhe oder vor dem Einschlafen auf, sie können aber auch in Alltagssituationen beeinträchtigend und belastend wirken.

Folgende Tabelle zeigt einige epidemiologische Daten zum chronischen Tinnitus:

  • 19 Mio (25 %) der deutschen haben Tinnitus erlebt
  • 10 Mio (13%) hörten Tinnitus über einen längeren Zeitraum
  • 270000- 340000 Menschen erkranken jährlich neu
  • 2,7 Mio sind behandlungsbedürftig
  • 1,5 Mio sind erheblich belastet
  • 53 % der Betroffenen haben auch eine Hörminderung
  • 44% klagen über Hyperakusis (Lautheitsempfindlichkeit)
  • ca 15 Mio (19%) Schwerhörige in Deutschland
  • keine signifikante Seitenbevorzugung
  • Männer und Frauen gleich häufig betroffen

Zur Symptomatisierung des Tinnitus sind folgende Einteilungen üblich:

Objektiver oder subjektiver Tinnitus:

In fast allen Fällen wird der Tinnitus nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen. Dies wird als subjektiver Tinnitus bezeichnet.

Selten kann das Ohrgeräusch auch  von anderen Menschen  oder evtl. über eine Mikrofonsonde  wahrgenommen  und gemessen werden, was  als objektiver Tinnitus bezeichnet wird. Ursachen hierfür sind z. B. Muskelzuckungen im Bereich des Rachens oder des Mittelohres oder eine Verengung der großen Halsgefäße (eher pulssynchrones Rauschen).

Streng genommen handelt es sich hierbei nicht um Tinnitus sondern um körpereigene Geräusche.

Akuter oder chronischer Tinnitus:

Wenn ein Ohrgeräusch erstmalig und/oder plötzlich auftritt, spricht man von einem akuten Tinnitus. Wird ein Ohrgeräusch seit mindestens 3 Monaten wahrgenommen, spricht man von einem chronischen Tinnitus.Diese Einteilung ist wichtig für das weitere therapeutische Vorgehen (siehe Diagnostik und Therapie in meiner Praxis).

Tinnitus mit und ohne Hörminderung

Oft wird ein Ohrgeräusch zusammen mit einer Hörminderung wahrgenommen. Teilweise dominiert der Tinnitus jedoch so, dass die Einschränkung des Hörvermögens zumindest in der Anfangsphase noch gar nicht bemerkt wird. Erst eine Hördiagnostik gibt Aufschluss über eine zusätzliche Hörstörung.

Zudem liegen die Ohrgeräusche oft in Frequenzbereichen, die mit dem Hörverlust einhergehen, sodass zunächst ausschließlich  das Ohrgeräusch wahrgenommen wird. Bei einem Teil der Betroffenen ist  tatsächlich nur der Tinnitus selbst auffällig.

Kompensierter oder dekompensierter Tinnitus:

Viele Betroffene können mit einem Ohrgeräusch problemlos im Alltag  umgehen und suchen deshalb nicht einmal einen Arzt auf, auch wenn dieses schon über Jahre auftritt. In einem solchen Fall spricht man von einem gut kompensierten Tinnitus.

Gelingt es dem Betroffenen jedoch nicht, das Geräusch zu  ignorieren oder wird dies als extrem störend und im Alltag beeinträchtigend empfunden, spricht man von einem dekompensierten Tinnitus. Viele Patienten mit einem dekompensierten Tinnitus berichten auch über Ein- oder Durchschlafstörungen.

Ursachen

Gehörgang/Trommelfell:

Ohrschmalzpfropf, Fremdkörper im Gehörgang (z. B. Wattefremdkörper, Haare), sog. Gehörgangsexostosen  (gutartige knöcherne Verengung des Gehörganges)

Mittelohr:

Trommelfellperforation, Mittelohrentzündung (akut oder chronisch), Otosklerose, Tubenfunktionsstörungen oder Paukenergüsse, Zustand nach durchgeführter Mittelohroperation, selten Gefäßtumore (z. B. ein sog. Glomustumor)

Innenohr:

Nach Lärm- oder Schalltrauma, Otosklerose, Entzündung des Hörorganes (bakteriell oder viral), sog. Altersschwerhörigkeit mit Innenohrbeteiligung, nach Schädelhirntrauma mit Erschütterung des Hörorganes, nach Mittelohroperationen, in Kombination mit Gleichgewichtserkrankungen (z. B. Morbus Ménière), Innenohrschädigende Medikamente (z. B. Aminoglycoside, Schleifendiuretika, Salicylate)

  • Erkrankungen des Kreislaufsystems (z. B. arterielle Hypertonie, Gefäßverengungen)
  • Zentrale Erkrankungen (z. B. nach Hirnhautentzündung, multiple Sklerose, Gefäßschlingen)
  • Psychische Störungen und Depressionen
  • Halswirbelsäulenerkrankungen
  • Kiefergelenkserkrankungen
  • Stress, insbesondere sog. negativer Stress (Distress) mit Verstärkung einer vorhandenen Tinnitussymptomatik oder als ursächlicher Faktor für die Entstehung des Tinnitus
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Störungen des Hormonhaushaltes (z.B. Erkrankungen der Schilddrüse)
  • Autoimmunerkrankungen (z. B. Colitis Ulcerosa, rheumatische Erkrankungen)

Therapeutische Möglichkeiten in meiner Praxis:

Akuter Tinnitus:

Beim akuten Tinnitus mit Beteiligung des Innenohres ist eine Therapie mit Glucocorticoiden (Cortison) möglich. Das Cortison wird im Verlauf der mehrtätigen Therapie durch immer niedrigere Dosierungen kontinuierlich reduziert.

Ist eine Therapie mit Glucocorticoiden nicht möglich oder vom Patienten nicht gewünscht, können medikamentöse Alternativen versucht werden. Diese basieren überwiegend auf dem Wirkprinzip einer Verbesserung der Durchblutungssituation.

Grundsätzlich richtet sich die Therapie zunächst aber nach den Ergebnissen der Diagnostik, da dadurch bereits evtl. richtungsweisende Ursachen des Tinnitus erkannt werden können.