Ihr Spetialist für Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen

Auditive- Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen (AVWS)

Informationen zum Krankheitsbild

Als auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörungen bezeichnet man Störungen der zentralen (d.h. im Gehirn stattfindenden) Verarbeitung akustischer Stimuli bei intaktem peripherem Gehör. Diese Störungen können sich in verschiedenen Teilfunktionsbereichen in unterschiedlicher Ausprägung zeigen.

 

Die Hörverarbeitung beinhaltet die Weiterleitung, Vorverarbeitung und Filterung von auditiven Informationen und Signalen und  findet im  Hörnerven, im  Hirnstamm und im Kortex (Hirnrinde) statt. Die Hörwahrnehmung ist die bewusste Analyse auditiver Informationen, die, je weiter die Information Richtung Kortex gelangt oder von anderen zentralen Prozessen beeinflusst wird, zunehmend differenzierter wird. Die Hörwahrnehmung selbst ist Teil der sog. Kognition. Deshalb werden nach der neueren Definition Defizite oder Fehlfunktionen in diesem Bereich auch als auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung (AVWS) bezeichnet.

Der Ablauf von Hörwahrnehmung und -verarbeitung ist  komplex und abhängig von anderen zentralen Verarbeitungs- und Wahrnehmungsprozessen (z.B. Aufmerksamkeit,  Sehwahrnehmung, Intelligenz, usw.). Die AVWS kann assoziiert sein mit Sprachverständnis- und Sprachentwicklungsstörungen oder mit Lernstörungen. Das Thema AVWS ist auch Gegenstand moderner Hirnforschung, von der in den nächsten Jahren weitere Impulse zu erwarten sind.

Nach neueren Untersuchungen tritt die AVWS mit einer Prävalenz von 2 bis 3 Prozent auf. Das Verhältnis männlich zu weiblich beträgt 2:1. Es  fällt auf, dass sich die AVWS     zu einer Art  „Modekrankheit“ entwickelt, wobei der Begriff  AVWS oft inflationär und schnell in den Raum gestellt wird. Darum bedarf  es zur Abklärung des Störungsbildes einer gründlichen Diagnostik um die Defizite im Bereich der Hörwahrnehmung beurteilen zu können und das Herausarbeiten der betroffenen Teilbereiche, um dann gezielt therapieren zu können. Entscheidend für die Diagnostik einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung ist somit der klinische Befund.

Die im Modell aufgeführten Teilfunktionen bzw. Teilbereiche spielen bei der Beurteilung einer AVWS eine wichtige Rolle:

 

 

Die im Modell aufgeführten Teilfunktionen bzw. Teilbereiche spielen bei der Beurteilung einer AVWS eine wichtige Rolle:

Ursachen

Die Ursachen einer AVWS sind noch keineswegs in allen Einzelheiten erforscht. Zusammenfassend lassen sich folgende ursächliche Hinweise für die einzelnen auditorischen Defizite (s.o.) nennen:

1. Hörbahnreifungsverzögerungen:

  • auditorische Deprivation (Reifungsstörung der zentralen Hörbahn)
  • zurückliegende Hörstörungen von langer Dauer (z.B. Mittelohrprobleme im Kindesalter)

2. Neurobiologische Störungen 

mit genetischem Hintergrund (familiäre Häufungen der AVWS)

3. Störung der allgemeinen und kognitiven Entwicklung

(z.B. Hirnreifungsverzögerungen, "minimal cerebral dysfunction", frühkindliche Hirnschädigung)

4. Umwelteinflüsse

(z.B. fehlendes oder fehlerhaftes Lernangebot)