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Stimmstörungen

Informationen zum Krankheitsbild

Ein normaler Stimmklang wird als Euphonie bezeichnet, eine Abweichung oder Veränderung des normalen Stimmklanges bezeichnet man als Heiserkeit oder auch Dysphonie. Der Extremfall wäre die Stimmlosigkeit, die sog. Aphonie.

Hauptsymptome von Stimmstörungen sind Heiserkeit, eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit, Fremdkörpergefühl, Druckgefühl im Hals, Räuspern oder Atembeschwerden. Die Symptome können auch einzeln auftreten und schwanken oft in der Ausprägung.

Man unterscheidet funktionelle, organische und gemischte Stimmstörungen (siehe Ursachen).

Da die Stimmgebung (Phonation) neben dem Kehlkopf und der Glottis (Stimmbandebene) auch von anderen Bereichen (z.B. Atmung (Brustkorb/Bauchorgane) oder dem sog. Ansatzrohr (Mundraum, Nase, Artikulationsorgane) abhängig ist, können Störungen dieser Organbereiche auch zu Stimmproblemen führen. 

Ursachen

Organische Stimmstörungen

Stimmlippenpolyp

(Schleimhauthypertrophie oft nach akuter oder chronischer Laryngitis bei gleichzeitiger dauerhafter Stimmbelastung des Kehlkopfes)

Stimmlippenzyste

(Sekretgefüllter Hohlraum, ausgehend von den kleinen Schleimdrüsen, oft nach Kehlkopfentzündungen)

Kontaktgranulom

(Schleimhautgranulation bis Ulkus im hinteren Stimmlippendrittel, am sog. Processus vocalis,  meist durch Fehlgebrauch der Stimme, Räusperzwang, Reflux oder chronisch entzündliche Erkrankungen der Luftwege)

Ösophagolaryngealer Reflux

(Übertritt von Säure in den Kehlkopfbereich, verursacht durch unvollständiges Schliessen des oberen Speiseröhrenverschlussmuskels (Ösophagussphinkter). Hauptsymptome sind Räusperzwang, Hustenreiz, Fremdkörpergefühl und schwankende Heiserkeit)

Stimmlippenblutungen

(Einblutung in die Stimmlippenschleimhaut nach Kehlkopftrauma oder übermäßigem Stimmmissbrauch)

Stimmlippenlähmungen

(neurogene Funktionsstörungen)

Akute Laryngitis

[akute bakterielle oder virale Entzündung der Stimmlippen und des Kehlkopfes, meist im Rahmen von Infekten der oberen Luftwege, Halsentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen aber auch durch Stimmüberlastung oder Inhalation schädlicher Dämpfe oder Zigarettenrauch (siehe auch „Krebsvorsorgeuntersuchung des Kehlkopfes“)]

Chronische Laryngitis

(lang andauernde Entzündung des Kehlkopfes durch Rauchen, inhalative Gase, chronische Nasenatmungsbehinderung und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen, dauerhafte Stimmfehlbelastung usw.)

Reinke Ödem

(Flüssigkeitseinlagerungen unter der Stimmlippenschleimhaut durch Rauchen, chronische Stimmbelastung, chronische Sinusitis)

Monochorditis

(Schwellung und Rötung nur einer Stimmlippe, Ursachen teils ungeklärt, häufig nach Infekten, bei Rauchern)

Kehlkopftrauma

(Verletzungen des Kehlkopfes von außen oder von innen)

Intubationsgranulome

Eine Granulation im Bereich  der Stellknorpel der Stimmlippen infolge einer Narkose mit Intubation wenige Wochen nach der Narkose.

Kehlkopfpapillome

(gutartige epitheliale Geschwülste sowohl im Kindes- als auch Erwachsenenalter, mit einer gewissen Gefahr der malignen Entartung und Rezidivneigung)

Bösartige Tumore des Kehlkopfes

Meist histologisch sog. Plattenepithelkarzinome, aber auch andere histologische Formen sind möglich. Diese müssen immer operativ gesichert und entfernt werden, evtl. ist auch eine Halslymphknotenentfernung und Bestrahlung erforderlich

Dysplasien und Carcinoma in situ

Sog. Leukoplakien der Stimmlippen sind ausgeprägte chronische Schleimhautentzündungen, die teilweise als Vorstufe zu bösartigen Veränderungen der Schleimhaut zu werten sind.

Ursachen von Stimmlippenlähmungen

  • Traumatisch bedingt: Nach Schilddrüsenoperationen (meist als Folge einer Überdehnung der Stimmbandnerven (N. rekurrens), seltener eine operationsbedingte  Durchtrennung der Nerven), nach Intubationen durch den Tubusdruck, nach anderen Halseingriffen wie z.B. Karotis oder Halswirbelsäulenoperationen, nach Eingriffen im Brustkorbbereich (der Stimmbandnerv verläuft auch im oberen Brustkorbbereich und versorgt erst auf „dem Rückweg“ zum Hals die Stimmbänder)
  • Entzündungen: Als Neuritis im Rahmen viraler Infektionen (z.B. Grippe, Mumps, Herpes, Mononukleose (EBV)), bei Polyneuropathien,  z.B. bei Diabetes mellitus oder rheumatischen Erkrankungen
  • Tumore (Neoplasien): Gutartige und bösartige Tumore der Schilddrüse, der Lymphknoten, der Speiseröhre, des Brustraumes oder der Schädelbasis
  • Zentrale oder neurogene Erkrankungen (als Nervus Vagus- Lähmung bei Arterienverschlüssen, Stammhirnerkrankungen, Hirntumoren, M. Parkinson):

Funktionelle Stimmstörungen (Dysphonien)

Als funktionelle Stimmstörungen gelten alle Erkrankungen der Stimme die keine (primären) morphologischen (organischen) Veränderungen der Stimmorgane erkennen lassen. Ursächlich ist eine  Fehlkoordination des Bewegungsablaufes des Stimmapparates oder einzelner Komponenten, wobei 5 Hauptfaktoren  unterschieden werden:

  • konstitutionelle Faktoren
  • habituelle Faktoren: gewohnheitsbedingt, z.B. lauter Stimmgebrauch (hier sollte aber immer auch eine Hörstörung ausgeschlossen werden)
  • ponogene Faktoren: durch berufliche Stimmbeanspruchung
  • symptomatogene Faktoren: Stimmprobleme z.B. als Symptom einer konsumierenden Grunderkrankung)
  • psychogene Faktoren: dauerhafte oder akute psychogene Belastungssituationen („da bleibt einem die Stimme weg“)

Klinisch unterscheidet man hyperfunktionelle Dysphonien (zuviel Aktivität) und hypofunktionelle Dysphonien (zuwenig Aktivität). Die Hyper- oder Hypofunktion der muskulären Spannung entsteht durch das Ungleichgewicht zwischen Anblasedruck (im Wesentlichen produziert im Atemtrakt) und der Stimmlippenspannung (glottischer Widerstand). Es finden sich auch gemischte Formen, z.B. im Rahmen einer Kompensation oder Dekompensation.

Stimmlippenknötchen Diese stellen eine sekundäre organische Veränderung dar und entstehen aus einer funktionellen Stimmstörung. Bei dauerhafter Fehlbelastung der Stimme bilden sich in den vorderen Stimmlippendritteln Verdickungen der freien Stimmlippenränder (Epithelverdickungen), wobei zwischen weichen Knötchen (durch Stimmtherapie gut zu behandeln) und harten Knötchen (bereits bindegewebig umgebaute Veränderungen) unterschieden wird. Die harten Stimmlippenknötchen sind meist nur operativ zu behandeln.